Frau Frida und Frau Fleur
- Christian Haase
- 2. Aug.
- 3 Min. Lesezeit
Wie füttert man einen Esel? Diese Frage stellte sich nicht nur Manfred Krug im gleichnamigen DEFA-Film, sondern unlängst auch uns. Aus einem gemütlichen Tag in einem agriturismo um die Ecke, wurde eine neue langohrige Aufgabe.
Im Grunde verbrachten wir nur einen Vormittag am Pool des agritursimo, somit die heißesten Stunden der letzten Hitzewelle mit etwas Abkühlung, und aßen im Anschluss dort zu Mittag. Der anschließende Verdauungsspaziergang über die Koppeln und Weiden führte uns aber schließlich auch zum Gehege der Esel. Wir blieben dort eine ganze Weile stehen, weil die beiden Jungeselinnen sehr neugierig auf uns waren und sie einfach auch so bezaubernd flauschig in ihrem Fohlenhaarkleid daherkamen. Und auch die anderen sechs Esel waren faszinierend. Allerdings waren die Zustände der Eselhaltung, auch unter Berücksichtigung sizilianischer Gepflogenheiten, als ungenügend zu bewerten, aus heutiger Sicht, mit sehr viel mehr Wissen und Erfahrung, eher als mangelhaft.
Zurück vom Spaziergang, unterhielt ich mich an der Rezeption noch ein bisschen über die Equiden. Vor allem wollte ich wissen, ob meine Vermutung, dass die Esel der Rasse "ragusano" angehören, richtig sei. Dies ist eine alte sizilianische Großesel-Rasse und sehr verbreitet. Die Frau an der Kasse bestätigte mich und fügte die ergänzende Information an, dass die Esel auch abzugeben wären, weil sie schlichtweg nicht mehr die Kapazitäten dafür hätten. Nun steht man ja nicht einfach so rum und sagt: "Prima, dann machen sie doch bitte eine Schleife drum, wir nehmen sie mit." , aber wir haben uns am Abend unter den Sternen und im Konzert der Zikaden dennoch lange darüber unterhalten. Platz haben wir ja. Aber eben auch verdammt viele Bäume, die Esel ja leider gern beknabbern. Die Frage war also gar nicht, ob wir die Eselinnen zu uns holen wollen, sondern ob wir unter den uns gegebenen Umständen in der Lage seien, den Tieren ein besseres Umfeld zu ermöglichen, als dort, wo sie gerade lebten.
Wir begannen umfassende Recherche zu betreiben, telefonierten mit deutschen Eselzüchtern, um Detailfragen zu klären, und entschieden uns nach einer Woche intensiven Lernens und zwei weiteren Besuchen bei den zwei Fohlen, sie zu uns auf die Plantage zu holen. Und letzten Samstag war es dann soweit: Enzo, ein mir empfohlener und sehr umgänglicher Pferdezüchter und Tiertransporteur, holte Frau Frida und Frau Fleur in aller Frühe ab und lieferte sie sicher bei uns ab.
Es ist jetzt eine Woche her und die Esel haben sich gut eingelebt, sich an uns und auch die anderen Tiere gewöhnt. Glücklicherweise. Wir konnten die Weide immer weiter vergrößern und es macht Spaß, dabei zuzusehen, wie die beiden herumtollen können...wenn sie denn wollen. Gestern haben wir das Training begonnen: die Tiere drehen und rückwärts gehen lassen, funktioniert schon ganz gut. Nur das Spazierengehen, vorwärts, klappt nur, wenn ich mit einer Kiste Heu vorangehe. Geduld mit den jungen Pferden...äh....Eseln. Auf jeden Fall haben wir jetzt neben ab und an fallender Ätna-Ascha auch regelmäßig anfallenden Dünger für unsere (und eure) Bäume.
Wir senden Euch liebe Grüße von Nuvolabianca,
Christian, Carolin und Juri
P.S. Weil die Fragen kamen: Die kleinen Welpen und ihre Mama sind auch noch bei uns und wir haben uns entschlossen, sie als Hofhunde zu behalten. Die Mama heißt nun "Scacchi" (italienisch für Schach, weil sie schwarz-weiß ist, ausgesprochen wie Skacki). Die kleine Braune heißt "Zera La Fiera", was entweder stolz bedeutet oder in einer alten Nutzung "wildes Tier" heißen kann. Die kleine Schwarze hat den Namen "Littlefood van Fiddlegood" erhalten und genau wie der Name klingt, so ist auch ihr Charakter.
Ach wie schön, ein richtiger Bauernhof entsteht. Du weißt schon, dass du da eigentlich garnicht mehr weg darfst! Na gut, einmal Anfang September noch 😉
LG Uta
Was seid ihr doch für wundervolle Menschen mit riesengroßen Herzen ❤️
Herzlichen Glückwunsch! Wenn sich das 'rum spricht, dass es den Tieren bei Euch gut geht ... mal sehen, wer oder was als nächstes kommt. Wir bleiben neugierig. Liebe Grüße aus dem sonnigen und sehr warmen Leipzig von Frank und Annett.
Schön der Verweis auf den Film - Hab gleich "Aber ich kann's nicht versteh'n" im Ohr... Gut zu verstehen ist hingegen euer Asylangebot für die beiden Eselmädchen. Ich staune ja, dass die sich so einfach von den aufgehängten Bänzeln leiten lassen. Das macht das Einhegen natürlich einfacher. Ne Kiste Heu vor den beiden voranzutragen ist wahrscheinlich keine praktikable Dauerlösung. Man sieht ja immer so Bilder mit einer Möhre an einer angebundenen Angel... Ach ich denke, wenn die beiden es bei euch gut haben - wovon ich selbstverständlich ausgehe - wird das schon bald gut klappen mit dem Geradeauslaufen und wer weiß - vielleicht sind sie bald wertvolle Helfer bei der Orangenernte
Genial!👌
Habt ihr toll gemacht!👍
Respekt!💪💪💪💪
Bin mir sicher, dass es ihnen bei euch super gut gefällt!👋😘